Auren


Alle Lebewesen tragen in sich einen Funken des kosmischen Feuers, welches im Herzen des Multiversums lodert. Dieses allem zugrunde liegende Prinzip verleiht belebende Kraft und gestattet es Kreaturen, mittels ihres Verstandes die unhandliche weltliche Gestalt zu lenken. Mit etwas Übung kann ein Kundiger der okkulten Künste diese Kraft manipulieren, um phantastische Manifestationen übersinnlicher Phänomene zu erzeugen. Unterschiedliche Traditionen haben dieser Lebenskraft verschiedene Namen gegeben – Prana, Odische Kraft, Orgon-Energie – doch am ehesten ist sie noch als Ki bekannt, die Quelle innerer Kraft, welche einem Mönch seine unglaublichen Fähigkeiten verleiht.
Geübte Kundige können erlernen, den Schleier zwischen der Materiellen Ebene und der Ätherebene zu durchdringen, um die Interaktion des Ki mit dem Körper einer Kreatur zu beobachten. Die Energie konzentriert sich in sieben Kreiswirbeln innerhalb des Leibes, die als Chakras bezeichnet werden. Von dort aus fließt sie durch den Leib und strahlt sogar noch bis zu einem ganzen Meter weit aus, indem sie einen ovalen Nimbus rund um die Kreatur erzeugt – die Aura.
Die Energie der Aura durchdringt Körper und Geist einer lebenden Kreatur und beeinflusst ihre Gesundheit und Vitalität, während sie im Gegenzug vom Selbstwertgefühl, der Einstellung anderen gegenüber und den Gefühlswallungen der Kreatur beeinflusst wird. Die Aura einer Kreatur besteht daher im Grunde aus einer Mischung unterschiedlicher Auren, die zusammen das Ganze ergeben. Ausstrahlungen des Ki bilden die Gesundheitsaura und Ausstrahlungen von Gedanken und Ansichten verleihen der Gesundheitsaura ein Muster, das man als die Gesinnungsaura interpretieren kann. Durch das Ganze zuckende Farbblitze enthüllen die Einstellung und den Gemütszustand der Kreatur und sind als Gefühlsaura bekannt. Schlussendlich mag eine Aura noch Ausstrahlungen enthalten, die magischen Ursprungs sind – dies ist meist eine Folge äußerer Einflüsse, die auf die Kreatur einwirken.
Diverse Zauber können Aspekte der Aura einer Kreatur oder eines Gegenstandes wahrnehmen: Der Zauber Aura analysieren* und die Okkulte Fertigkeitsspezialisierung Aura lesen stellen die umfangreichsten und verständlichsten Methoden dar, die Gesamtaura einer Kreatur zu interpretieren.


Gefühlsaura

Die Gefühlsaura einer Kreatur enthüllt seine gegenwärtige Einstellung und Gefühlslage. Diese Faktoren sorgen für Verfärbungen der Aura mit funkelnden Farbtönen, welche auch als das Emotionale Spektrum bezeichnet werden. Jede Kombination der im Kasten auf der nächsten Seite aufgeführten Farben kann den Gefühlszustand einer Kreatur definieren. In der Regel enthüllen Methoden zum Erkennen der Gefühlsaura die Gefühle selbst samt der assoziierten Farben. Die Geheimnisse des Emotionalen Spektrums sind für den Eingeweihten klar erkennbar und sollten für den Spieler eines solchen Charakters daher auch kein Rätsel bleiben.
Da Gefühlsauren innerhalb der Gesundheitsaura existieren, treten sie nur selten bei Gegenständen oder Untoten auf, welche technisch betrachtet nicht am Leben sind. Intelligente magische Gegenstände weisen zuweilen eine Gefühlsaura auf, während Untote – insbesondere jene, denen auf der Ätherebene der Weg ins Jenseits aufgrund emotionalen Stresses oder unvollendeter Angelegenheiten verwehrt wird – vielleicht einen zerfetzten Rest ihrer Auraenergien an ihren Spukerscheinungen anhaften haben, selbst wenn die Lebensenergie, die diese Auren einst erschaffen hat, schon lange verloschen ist.


Das Emotionale Spektrum

Ein Charakter, der im Wahrnehmen von Auren trainiert ist, sieht innerhalb der Aura einer Kreatur ein Zusammenspiel von Farben. Versteht man die Farben des Emotionalen Spektrums, kann dies vieles über die beobachtete Kreatur verraten. Die Farben verschmelzen, trennen und verändern sich ständig, so wie sich die Überlegungen, Gefühle und die Umgebung der Kreatur verändern, auf die sie reagiert. Ein Blick auf die Aura einer Kreatur ist daher eine Momentaufnahme ihrer gegenwärtigen Gefühle und ihres allgemeinen Charakters und könnte schon Minuten später nicht mehr zutreffen.

Flexibilität (Smaragdgrün): Eine vielseitige, flexible, anpassungsfähige Kreatur, welche gefallen möchte, strahlt eine smaragdgrüne Aura aus. Obwohl Grün meist mit Täuschung assoziiert wird, geht es hier um Kompromissfähigkeit und schwache Täuschung, da die Kreatur im Interesse des Allgemeinwohls handelt trotz persönlicher Unzufriedenheit oder anderer Wünsche.

Furcht (Fahles Grau): Die Farben der Aura einer Kreatur, die Furcht und Schrecken erleidet, verblassen und weichen einer pulsierenden grauen Wolke. Manche überwältigend böse Kreaturen – meist Untote – strahlen eine Furchtaura aus, deren Ranken teilweise noch meterweit reichen und so nahe Kreaturen erfassen und mit ihrem erdrückenden Bösen umhüllen.

Gier (Rotbraun): Eine stumpfe rotbraune, fast schon rostfarbene Aura deutet auf Gier und Neid hin. Meist manifestiert sie sich in parallelen Linien auf dem Leib einer Kreatur. Grünliches Braun mit roten Blitzen steht für Neid.

Glauben (Blau): Eine blaue Aura steht für religiöse Gedanken, Gefühle und Ansichten. Der Farbton variiert mit der Art der Überlegungen und ob diese auf Toleranz oder Vorurteilen basieren. Je heller der Farbton, umso altruistischer und wohlwollender sind die Gefühle. Ein tiefes, dunkles Violett dagegen weist auf religiöse Ansichten hin, die zu egoistischen oder bösartigen Zwecken verdreht wurden.

Hass (Schwarz): Dichte schwarze Wolken innerhalb der Aura verweisen auf Hass und Böswilligkeit. Wenn eine Person von leidenschaftlicher Wut übermannt wird, tauchen dunkle, sich windende Bilder in der wolkigen Aura auf, die wie geisterhafte Schlangen wirken, welche durch Rauch schwimmen.

Heimtücke (Öliggrün): Eine ölig grüne Aura weist auf List, Täuschung und Heimtücke hin, weshalb Zauber wie Aura analysieren bei Verhören sehr hilfreich sind.

Intellekt (Golden): Gold verweist auf den Intellekt einer Person. Wenn es um niedere, persönliche Ambitionen geht, ist der Farbton eher stumpf und dunkler, während eine Vermischung von Intelligenz und spiritueller Erleuchtung zu einem strahlenden Gold führt.

Leidenschaft (Blutrot): Ein blutiges Rot deutet auf tierhafte Leidenschaft und unterbewusste Instinkte hin. Wenn eine Kreatur schläft, wird ihre Aura oft von dieser Färbung ergriffen, da das Unterbewusstsein übernimmt, während der Verstand durch die Dimension der Träume wandert (siehe Seite 241).

Liebe (Scharlachrot): Zu den schönsten Färbungen einer Aura gehört das Scharlachrot einer verliebten Kreatur. Die damit assoziierten Farbtöne reichen vom kräftigen Rosenrot der selbstlosen Liebe zu einem anderen Wesen bis zu einem stumpfen, dunklen Blutrot, welches mit gierigem Braun vermischt ist im Falle einer egoistischen Liebe, welche darauf bedacht ist, wenigstens ebenso viel zu bekommen, wie sie gibt. Ein strahlendes Rosé, das mit lila vermischt ist, deutet auf spirituelle Liebe zu allen Kreaturen hin.

Melancholie (Graue Linien): Eine bedrückende Reihe dunkelgrauer, parallel vertikal verlaufender Linien spricht von Depressionen oder tiefer Melancholie. Wie die braunen Linien der Gier deuten auch die grauen Gitter der Melancholie auf ein emotionales Gefängnis hin.

Stolz (Orange): Orange impliziert Stolz und Ambition. Die Färbung variiert stark – grüne Einschüsse deuten auf neidischen Wettstreit hin, blass graue auf die Angst, im Nachteil zu sein, und stumpfes Scharlachrot sogar auf Selbstverliebtheit.

Zorn (Hellrot): Hellrote Blitze, meist auf schwarzem Untergrund, verweisen auf Wut. Je mehr ich-bezogen diese Wut ist, umso mehr kippt das Rot ins Bräunliche. Rechtschaffener Zorn oder Wut hinsichtlich etwas, dass die Kreatur als gerechte Sache empfindet, manifestiert sich als Blitze in strahlendem Zinnoberrot.


Gesinnungsaura

Die Gesinnungsaura einer Kreatur spiegelt das wahre Wesen ihrer Ansichten und ihres seelischen Zustandes wieder. Diese Aura ähnelt einem wirbelnden Nebel, der die Gesundheitsaura durchdringt. Mittels näherer Betrachtung dieser seltsamen Strömungen kann man die Gesinnung der Kreatur erkennen. Gegenstände oder Orte, die mit mächtiger, auf eine bestimmte Gesinnung eingestimmte Magie erfüllt sind (z.B. der blutbespritzte Altar, auf dem ein finsterer Kult seine noch finsteren Riten vollzieht, oder eine vergoldete Tasse, welche die Tränen eines längst verstorbenen Heiligen enthält), besitzen manchmal auch Gesinnungsauren.
Die Stärke einer Gesinnungsaura basiert auf den Trefferwürfeln der jeweiligen Kreatur oder der Zauberstufe des magischen Gegenstandes (siehe auch Böses entdecken).


Gesundheitsaura

Die Gesundheitsaura einer Kreatur ist eine direkte Repräsentation der durch ihren Körper fließenden Lebenskraft oder Vitalenergie. Ki entspringt verschiedenen externen Quellen und fließt in und durch das Nervensystem mittels einer Reihe von Wirbeln, die als Chakras bezeichnet werden. Innerhalb des Leibes besitzt Lebenskraft einen schwach rosigen Farbton, welcher nach außen hin zu einer weißen Dampfwolke verblasst. Diese Aura ist von Linien durchzogen, welche an Stacheln erinnern – ist eine Kreatur gesund, sind diese Stacheln starr aufgerichtet, ist die Kreatur aber krank, hängen sich herab wie die Schnurrhaare eines müden Tieres.
Mittels Interpretation des Flusses der Lebenskraft zwischen den Chakras und den feinen Linien, die die größere Aura durchziehen, kann man erkennen, ob die Kreatur unverletzt oder verwundet ist, ob sie krank oder vergiftet ist und ob sie unter einem der folgenden Zustände leidet: Betäubt, Bewusstlos, Kampfunfähig, Panisch, Sterbend, Übelkeit, Verwirrt oder Wankend.


Magische Aura

Magische Auren sind in der Regel das Ergebnis externer Kräfte, die auf eine Kreatur, einen Gegenstand oder einen Ort einwirken. Jeder magische Effekt wirbelt in der Gesamtaura umher, vermischt sich dabei aber nicht mit anderen Effekten. Man kann daher bestimmte Effekte in der Aura anvisieren, etwa um einen Effekt zu bannen und die anderen unberührt zu lassen.
Andere magische Auren resultieren aus angeborenen übernatürlichen Kräften der Kreatur und können sich auf jene auswirken, die der Kreatur zu nahe kommen. Solche Auren, z.B. die Unheimliche Ausstrahlung eines Drachen, zwingen Kreaturen häufig zu Rettungswürfen, um ihren Effekten zu widerstehen (siehe auch Magie bannen).